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Öffentliche Denkmäler in Bochum-Werne

Peter Kracht

Einführung

„Denkmäler werden errichtet, um wahrgenommen zu werden. Sie haben eine Zeichen- und vor allem eine Appellfunktion. Doch bald gehören sie zum alltäglichen Straßenbild. [...] Das memorative Potential des Denkmals wird wieder sichtbar, wenn der Denkmalbestand umstritten und gefährdet ist oder zerstört wird.“
Die vorstehende Aussage lässt sich auf alle Denkmäler im öffentlichen Raum anwenden, egal, ob sie eine bestimmte zeitpolitische Intention tragen, ob sie einerseits an die Opfer von Kriegen, Gewalttaten und Unterdrückung in jeglicher Form erinnern oder andererseits vergangene oder andauernde Zustände wachhalten oder manifestieren wollen.
Anlass dieses Aufsatzes ist die soeben abgeschlossene Umgestaltung des Ehrenmals an der nördlichen Ecke im Kreuzungsbereich der Heinrich-Gustav- und der Wittekindstraße in Bochum-Werne bei gleichzeitiger Umwidmung in ein Mahnmal und das anhaltende Bemühen, den noch vorhandenen Kopf des ehemaligen Kriegerdenkmals „Germania“, welches nahe dem Werner Amtshaus stand, wieder dauerhaft auszustellen und dadurch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Beide Aktionen haben den Blick wieder stärker auf diese Denkmäler gelenkt.
Nachfolgend wird der Versuch unternommen, die Geschichte der öffentlichen Denkmäler in Bochum-Werne darzustellen und dabei auf die diesbezüglichen planungs- und baugeschichtlichen sowie die individuellen Verhältnisse vor Ort einzugehen, sofern das aus heutiger Rückschau anhand der noch vorhandenen Unterlagen möglich ist. Darüber hinaus scheint es erforderlich, auch einen kurzen Blick auf den allgemeinen Zeitgeist in den jeweiligen Aufstellungsphasen zu richten, denn diese Erkenntnisse treffen ebenso auf die hiesigen Verhältnisse zu. Abschließend kann sinnvollerweise die Frage nach der Bedeutung dieser Denkmäler in unserer Zeit sowie nach einer möglichen Neuinterpretation bzw. Umdeutung nicht ausgeklammert werden.

Zum Denkmalbegriff allgemein und zum Kriegerdenkmal speziell

Nach Brockhaus ist ein Denkmal „im weitesten Sinne jeder kunst-, kultur- oder allgemeingeschichtlich bedeutsamer Gegenstand, im engeren Sinn ein zur Erinnerung an bestimmte Personen oder Ereignisse errichtetes Werk der Bau- oder Bildhauerkunst“. Über diese Erinnerungsfunktion hinaus soll ein Denkmal „einen Anspruch seiner Urheber, eine Lehre oder einen Appell an die Gesellschaft ableiten und historisch begründen“. Fast allen Denkmälern ist gemein, dass sie Ausdruck eines Willens sind und ein öffentliches Bekenntnis ablegen. Dabei bleibt die Frage offen, ob die Intention der Errichtung auf dem „Erhoffen und Beanspruchen von Überdauern und Ewigkeit aus purer Eitelkeit, aus unverhohlener politischer Machtpropaganda oder aber aus einfacher menschlicher Würde und Treue hervorgegangen“ ist. Die zuvor benannte Maxime erfährt eine Begriffserweiterung, indem auch Straßen- und Platznamen sowie historische Zweckgebäude einbezogen werden.
In der historischen Rückschau kann eine Analyse von Denkmälern „außer Informationen über Formen und Themen auch Rückschlüsse sowohl auf die Interessen und Absichten der Urheber wie auch auf die Situation der Gesellschaft liefern, in der sie entstanden und an die sie sich wenden sollten“. Die Deutung des einzelnen Denkmals oder einer Kombination mehrerer Symbolträger gibt Einblick in die Gesellschaftsgeschichte und kann „Ausdruck von gesellschaftlicher Pluralität sein, sie kann indes auch Übergänge, Wandlungen und Ungleichzeitigkeit in der Gesellschaft spiegeln“. So sind Denkmäler Ausdruck für „das sich wandelnde Geschichtsbewußtsein einer ganzen Region“ und können die Geschichte mit der Gegenwart vermitteln. Vom Interpretationswandel einzelner Denkmäler wird später noch die Rede sein.
Eine spezielle Form stellen u.a. die Denkmäler und Ehrenmäler für die Gefallenen der Kriege dar. Bereits in der Antike bekannt, wurden sie in der Zeit nach der Französischen Revolution und vermehrt seit dem 19. Jahrhundert aufgestellt. Besonders nach dem Krieg von 1870/71 wurden figürliche Denkmäler errichtet, die häufig die Personifikation der Germania oder der Viktoria darstellten. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war dann ein Wandel vom plastischen zum architektonischen Denkmal zu beobachten.
Die Kriegerdenkmäler wurden – hier 1915 – von den Angehörigen in der Heimat gewünscht, da bei ihnen „die unerfüllte Sehnsucht nach einer Stätte [brennt], die dem Gedächtnis der Gefallenen geweiht ist, die man mit Blumen bekränzen und an der man beten kann“. An diesen Orten drückte sich das „Gefühl ehrfürchtiger Dankbarkeit, von dem die Allgemeinheit beseelt ist“ aus. Die Kriegerdenkmäler nach dem verlorenen Krieg von 1914/18 sollten – zumindest seit der NS-Zeit – über die Trauer hinaus aus dem Soldatensterben einen Sinn ableiten, was sich auch in Formulierungen wie „Helden“, „Märtyrer“, „Ehre“, „Treue“, „Ruhm“, „Beschützer des Vaterlandes“ etc. widerspiegelte. Hier drückte sich Siegeswille aus.
Zur Platzauswahl bei der Errichtung von Denkmälern sollte eine umfassende „Gesamtkonzeption hinsichtlich ihrer architektonischen und plastischen, landschaftlichen oder städtebaulichen Gestaltung“ bedacht werden und für die Aufstellung derselben wurde die Lage inmitten der Stadt bzw. Gemeinde, in Verbindung mit öffentlichen Bauten oder in bzw. an einem Volkspark empfohlen.
Als eine andere Form von Denkmälern sind Epitaphe zu erwähnen. Diese Gedächtnismale oder -tafeln wurden für einen oder mehrere Verstorbene an einer Innen- oder Außenwand oder an einem Pfeiler einer Kirche angebracht. Darüber hinaus fanden Gedächtnistafeln im profanen Raum an unterschiedlichen Stellen, an denen sich Menschen trafen oder vorbei kamen.
Über einen langen Zeitraum wurden Denkmäler von „etablierten Kräften, vom Staat oder von ‚staatstragenden‘ Gruppen gebaut“. Erst nach Gründung des Deutschen Reiches übernahmen Teile der Bürgerschaft diese Obliegenheit. Zumeist waren das die Kriegervereine, was auch einen Rückschluss auf die Intention und die Sinngebung dieser Denkmäler zulässt.
Erstaunlich hoch ist die große Anzahl von 2,8 Millionen Mitgliedern in Kriegervereinen im Jahre 1913 im Deutschen Reich. Im Landkreis Bochum waren in jenem Jahr 5.120 Mitglieder eingetragen, von denen mit Abstand die meisten zu den Vereinen in Langendreer (27,2 %) und in Werne (17,9 %) gehörten. Werden die Mitgliederzahlen der einzelnen Ortsvereine ins Verhältnis zur Einwohnerzahl der jeweiligen Gemeinde gesetzt, lassen sich die Mitgliedszahlen je 1.000 Einwohner errechnen. Dabei lässt sich ein hoher Mitgliedsanteil für den östlichen Bereich des Landkreises erkennen: Stockum-Düren 59,9; Laer 53,0; Werne 51,5; Langendreer 51,4; Altenbochum 45,2; Somborn 41,1; Querenburg 38,6; Harpen 36,0; Riemke 29,1; Gerthe 25,1; Hordel 21,0; Weitmar/Neuling 12,0. In Werne verteilten sich 917 Mitglieder auf folgende Vereine: Artillerieverein (64), Gardeverein (59), Kavallerieverein (61), Krieger- und Landwehrverein (703 in zwei Kompanien) und Marineverein (30).
Da die Kriegerdenkmäler nicht Werke „des ganzen Volkes, sondern nur von Interessengruppen und Schichten waren“, war es nicht jedermanns Sache, die weit verbreitete Zeitmeinung anzunehmen und eine positive Einstellung zu diesen Denkmälern zu entwickeln. Durch persönlich erfahrenes Leid als Familienmitglied eines Gefallenen oder aufgrund einer oppositionellen politischen Einstellung waren auch kritische Stimmen zu vernehmen, die sich gegen die immer größere Zahl der Errichtung von Kriegerdenkmälern aussprachen und sich alternativ z.B. für die Fürsorge der Hinterbliebenen, die sportliche und geistige Ertüchtigung der Volksgenossen durch Schaffung geeigneter öffentlicher Sportstätten auf der einen Seite sowie Büchereien und Lesesäle auf der anderen Seite vorschlugen.
Grütter bezeichnet das Ruhrgebiet als „eine der dichtesten Denkmal-Landschaften Deutschlands“ und gibt für die Zeit seit der einsetzenden Industrialisierung in dieser Region vier verschiedene Phasen der Denkmalsetzung mit ihren spezifischen Charakterisierungen an:
  1. Von 1870 bis zum ersten Weltkrieg: Krieger-, Kaiser-, Bismarck-, Industriellen-, Grubenunglücks- und lokalhistorische Denkmäler.
  2. Vom Ersten bis zum Zweiter Weltkrieg: Krieger- und Ehrenmäler, Denkmäler zur Erinnerung an den Ruhrkampf, Kapp-Putsch-Denkmäler, Änderung bestehender Denkmäler durch die Nationalsozialisten.
  3. Vom Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der sechziger Jahre: durch die Alliierten teilweise Schleifung bestehender Denkmäler und Errichtung von Denkmälern für eigene gefallene Soldaten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, Erinnerungs- und Mahnmale gegen Krieg und für Frieden, Fortschreibung alter, bestehender Kriegermale aus der zweiten Phase durch Ergänzungen hinsichtlich des Zweiten Weltkriegs.
  4. Von den siebziger Jahren bis zur Gegenwart: Gedenktafeln und Gedenkstätten für Opfer des Holocaust, Lokal- und Heimatdenkmäler, technische Denkmäler, Rückbesinnung auf das Industriezeitalter, bis hin zu „Erinnerungslandschaften“, wie z.B. IBA Emscherpark.
Für Bochum-Werne lassen sich hinsichtlich aller vier Bereiche der vorstehenden Typisierung exemplarisch folgende Denkmäler im öffentlichen Raum benennen, die sich entweder noch immer am angestammten Ort befinden oder einstmals vorhanden waren:
Phase 1: die „Germania“, Phase 2: das Kriegerdenkmal, das Denkmal für den Kapp-Putsch, die Epitaphe in den Kirchen und die Gedenkstätten bei den Zecheneingängen, Phase 3: das Kriegerdenkmal und Phase 4: der Anker der Marinekameradschaft (mit Einschränkung, s.u.), das Bergbau-Erinnerungsmal, die Förderwagen und diverse Erinnerungstafeln.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt beim Kriegerdenkmal „Germania“ und dem Ehrenmal; die anderen Denkmäler werden mehr oder minder kürzer behandelt. Die Reihenfolge entspricht etwa der Chronologie ihrer Aufstellung. Einzelne, individuelle Grabmale auf dem hiesigen Friedhof sowie alle anderen, in die Denkmalliste der Stadt Bochum eingetragene Objekte bleiben unberücksichtigt. Eine Analyse hinsichtlich der künstlerischen Wirkung oder dem Gebrauchswert der behandelten Denkmäler wird nicht erstellt.
Zur Nomenklatur sei angemerkt, dass im allgemeinen Sprachgebrauch Denkmäler für die Gefallenen der Kriege 1864, 1866, 1870/71 und 1914/1918 langläufig als „Kriegerdenkmal“ und solche für die Opfer beider Weltkriege als „Ehrenmal“ bezeichnet werden. Der Begriff „Mahnmal“ taucht in der allgemeinen Akzeptanz erst seit den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf.

Das Kriegerdenkmal „Germania“

Der synonyme Begriff „Germania“ steht sowohl für die „literarische, meist geographisch akzentuierte Bezeichnung Deutschlands“ als auch für deren personifizierte, weibliche Symbolgestalt. Dabei wurzeln die literarischen als auch die bildnerischen Darstellungen gemeinsam in der Antike. Hingegen scheint die Schaffung der Figur der Germania als Denkmal erst mit Ende des 18. Jahrhunderts begonnen zu haben. Nicht zuletzt mit dem Wachsen des nationalen Gedankens als Folge der Befreiungskriege von 1813/14, des Vormärz, der Revolution von 1848, des Preußisch-Österreichischen Krieges von 1866 und der Reichsgründung 1871 wurde 1877 mit dem Bau des Niederwalddenkmals bei Rüdesheim am Rhein begonnen, welches 1883 eingeweiht wurde und als „das Nationaldenkmal des wilhelminischen Kaiserreichs [...] und ausschließlich der Einigung des Deutschen Reiches“ galt. Unter dem Aspekt seiner ursprünglichen Bestimmung – und nicht als Siegerdenkmal gegen Frankreich – ist die markante Symbolik des gesenkten Schwertes zu deuten. Doch bereits bei der Grundsteinlegung zeigte sich eine beginnende Uminterpretation durch Wilhelm I.: „den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Anerkennung, den zukünftigen Geschlechtern zur Nachahmung!“. Das Friedens- und Nationaldenkmal mutierte zum Siegerdenkmal.
Die „walkürenhafte Germania – mit Eichenlaub bekrönt, auf dem Harnisch den Reichsadler, in der Linken das gesenkte Schwert, doch emporgehoben in der Rechten die in Wirklichkeit gar nicht vorhandene deutsche Kaiserkrone – prägte den Typ, der fortan als Symbol des Reiches überall begegnete“.
Diese „Allegorie auf den kleindeutschen Nationalstaat“ galt als Prototyp für „tausende von Germania-Figuren“, denn in der Folgezeit „setzt[e] gerade ein ‚Boom‘ der Germania-Denkmäler ein“.
Bei der Vielzahl der einzelnen Denkmäler konnte es dazu kommen, dass „völlig eklektizistische Gestalten [entstanden], die Grundform, Attribute und Motive aus gänzlich unterschiedlichen Bereichen zusammentrugen“. Fast immer wurde eine mit Eichenlaub gekrönte Standfiguren mit den kriegerischen Attributen (Schwert, Schild, Fahne), der Reichskrone und einem Lorbeerkranz als Gedächtnis der Gefallenen errichtet.
Durch diese Germania-Darstellungen sollte das Nationalgefühl gestärkt werden, „durchweg im Sinne des monarchischen Prinzips: Treu und fest zu Kaiser und Reich!“. Das führte – im Gegensatz zu den Denkmälern früherer Zeit – nun in der Bevölkerung zu einer stärkeren Identifikation und dem Resultat, dass die örtliche Verwaltung und häufig auch Gesang-, Turn-, Schützen- und Kriegervereine die Denkmalsetzung und -pflege übernahmen.
In Westfalen wurden für die Gefallenen der Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 bis 1881 insgesamt 127 Denkmäler errichtet, wobei der Anteil in den evangelischen und gemischt konfessionellen Landkreisen enorm höher lag (113 Denkmäler), als der in den rein katholischen (14 Denkmäler).
In einer Auflistung aus dem Jahre 1881 waren im Landkreis Bochum – auf das heutige Gebiet von Bochum bezogen – bereits mehrere Kriegerdenkmäler in unterschiedlichen Säulenformen vorhanden. Sie trugen einen Adler, ein Kreuz oder einen Reichsapfel und erinnerten an die gefallenen Soldaten der jeweiligen Gemeinde in den Kriegen zwischen 1813/14 und 1870/71.
In der zuvor erwähnten Liste sind zwei Germania-Denkmäler genannt, von denen sich eine in Wiemelhausen und eine in Werne befand. Die Wiemelhauser Germania stand auf einer Zinksäule.
Das hiesige Germania-Denkmal wurde durch die politische Gemeinde zur Erinnerung an die in den Kriegen 1866 und 1870/71 gefallenen Soldaten Wernes errichtet und am Sedanstag des Jahres 1879 enthüllt. Es stand auf der Landspitze, die durch die heutige Kreyenfeldstraße und die Wittekindstraße gebildet wird; die Vorderfront war etwa gegen Osten ausgerichtet.
Das im Grundriss quadratische Postament aus Teutoburger-Wald-Sandstein hatte eine Höhe von 9 Fuß und 10 Zoll, das entspricht 3,0 Meter. Grundlage bildete ein dreistufiges Podest, dessen untere Stufe eine Kantenlänge von ca. 3,0 Meter und die obere von ca. 1,9 Meter hatte.
Auf diesem lag ein Sockelstein mit den ungefähren Abmessungen von ca. 1,5 Metern Kantenlänge und ca. 0,5 Meter Höhe. Darauf stand der eigentliche Denkmalsockel mit einer Kantenlänge von rund 1,4 Meter und einer Höhe von etwa 2,0 Metern. An diesem Bauteil waren auf allen vier Seiten jeweils ein quadratischer Steinspiegel mit der Kantenlänge von etwa 70 cm in den Denkmalsockel eingelassen, die Inschriften trugen. Auf der Frontseite: „Wer muthig für sein Vaterland gefallen, / Der baut sich selbst ein ewig Monument / Im treuen Herzen seiner Landesbrüder; / Und dies Gebäude stürzt kein Sturmwind nieder.“ Auf der Rückseite: „Gott schütze Germania´s Heldensöhne.“ Auf der rechten Seite standen die Namen der Gefallenen und auf der linken Seite: „Ihren tapferen Kriegern, die Gemeinde Werne.“
Über dem Postament erhob sich die Germania aus Gildehauser Stein mit einer Höhe von 7 Fuß und 6 Zoll, umgerechnet 2,30 Meter. Das linke Bein hatte sie etwas angewinkelt und dadurch leicht erhöht abgestellt. Sie trug ein bodenlanges Gewand, welches im oberen Bereich glatt und brustbetont und von der Hüfte ab faltenwerfend bis zum Boden reichte. Ein vorne geöffneter, langer Umhang bedeckte ihre Schultern und lag locker auf dem Postament auf. Das nach hinten offen getragene, gelockte Haar überdeckte den Umhang im gesamten Schulterbereich und das nach vorne rechts gesenkte Haupt war mit einem Eichenlaubkranz gekrönt. In der rechten Hand hielt sie vor sich einen Lorbeerkranz in Hüfthöhe. An der linken Seite hatte sie neben ihrem angewinkelten Bein ein Schild abgestellt, auf dem ihre Hand aufgelegt war. Ob sie zusätzlich an ihrer linken Seite ein gesenktes Schwert hielt, welches mit der Spitze auf dem Boden aufstand, ist aus den vorhandenen Fotos nicht eindeutig auszumachen und scheint wenig wahrscheinlich.
Im Gegensatz zu vielen anderen Germania-Darstellungen, die ihr Haupt weitblickend gerichtet trugen und in einer Hand die Krone hoch erhoben zeigten – so auch beim Denkmal im benachbarten Langendreer –, ist die hiesige Allegorie dem stehenden, trauernden Typus zuzuschreiben, wobei die Haltung als grundlegendes Kriterium anzusehen ist und das Adjektiv „weniger das Gefühl, sondern die daraus resultierende stereotype Gestik und Mimik benennt.“
Die geneigte Kopfhaltung, der gesenkte Blick, das abgestellte Schild, das wohl fehlende Schwert und der nur wenig angehobenen Lorbeerkranz verweisen auf den Charakter einer Gedenkstätte für die Gefallenen und grenzen es gegenüber der anderen Darstellungskategorie mit einer eher selbstbewussten, überlegenen Siegerpose ab. Möglicherweise liegt das daran, dass es sich bei der Werner Germania um eine relativ früh errichtete Statue handelte und die später weitverbreitete Vorlage der Germania auf dem Niederwald zum Zeitpunkt der Denkmalsetzung in Werne erst im Bau und noch nicht fertiggestellt war. Gewiss hatten sich die Gemeindevertreter als Errichter und Finanziers des hiesigen Denkmals ganz bewusst für die trauernde Darstellungsart entschieden.
In Langendreer wurde die dortige Germania 1886 nahe der südwestlichen Ecke des Marktplatzes aufgestellt und kam am 16. November 1981 ins Stadtarchiv Bochum, um einem weiteren Verfall durch Verwitterung vorzubeugen.
Im Jahre 1897 wurde Wernes altes Kapellen- und Schulgebäude im Rücken der Germania abgerissen und das Gelände in eine kleine Grünanlage umgewandelt. Aufgrund der abzusehenden Fertigstellung und Übergabe des neuen Amtshauses am 1. August 1899 änderte sich die Situation der dort zusammentreffenden Straßenführungen durch die Schaffung eines großzügigen Kreuzungsbereichs, so wie er heute noch vorzufinden ist. Hierzu wurde die Germania abgenommen, renoviert und nach Fertigstellung der Straßenbauarbeiten in der Grünanlage, die „von den Bewohnern als Erholungsstätte benutzt“ wurde, wieder aufgestellt.
Abbildung 1 zeigt die Situation nach der Neuaufstellung im Jahre 1899. Bei intensiver Betrachtung der vergrößerten vorderen Texttafel fällt auf, dass eine andere Inschrift zu lesen ist, als zuvor angegeben. Nunmehr ist hier die Parole der konservativ-militärischen Landwehrvereine „Mit Gott für König und Vaterland“ zu erkennen. Möglicherweise wurde der Text im Rahmen der Renovierung ausgewechselt. Ein genauer Nachweis oder gar eine Begründung hierzu sind dem Verfasser nicht bekannt.
Nur wenige Meter weiter westlich ihres ursprünglichen Platzes stand die Germania, bis sie am 15. März 1944 bei einem Luftangriff von ihrem Sockel stürzte und vollständig zerbrach. Dabei rollte der Kopf die Wittekindstraße hinunter und wurde von den Eheleuten Dembeck aufgelesen und in deren Garten aufbewahrt. Seit Januar 2002 befindet er sich in der Obhut des Verfassers dieses Artikels, der sich um eine Wiederaufstellung in möglichst naher Entfernung zum Originalplatz und geschützt vor Witterungseinflüssen und Vandalismus bemüht, um ihn als historisches Relikt der damaligen Zeit wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine dauerhafte Installation im Flur des Werner Amtshauses wurde von der Mehrheit des Bezirksparlaments ebenso abgelehnt, wie eine bauliche Integration in das Werner Ehrenmal beim diesjährigen Umbau desselben.

Gedenktafeln

Eine Sonderform des Kriegerdenkmals stellt ein Kriegerepitaph dar, ein tafelartiges Kriegermal, eine Gedächtnis- bzw. Gedenktafel.
Bereits 1813 war die Anbringung solcher Tafeln von höchster Stelle geregelt. In dieser Tradition steht auch der Epitapherlass vom 2. September 1873, in dem Wilhelm II. anregte, „daß in jeder Kirche eine Tafel errichtet wird, welche in dem Gedächtnis der in den letzten Kriegen auf dem Felde der Ehre Gefallenen gewidmet ist und die Aufschrift erhält: ‚Aus diesem Kirchspiel starben für König und Vaterland‘. – Dieser Aufschrift würden sodann die Namen aller zu dem Kirchspiel gehörig gewesenen Gefallenen zur Folge haben“.
Wahrscheinlich angeregt durch den momentan stattfindenden Krieg und die dadurch zu erwartenden Kriegstoten wurde 1915 auf die vorhandenen Erinnerungszeichen für die Gefallenen des Krieges von 1870/71 in den Gotteshäusern beider Konfessionen hingewiesen und das Verlangen ausgesprochen, in den Kirchen mehr Platz für weitere Gedächtnistafeln bzw. -stätten bereitzustellen, „sei es zum Gedächtnis einzelner Helden, sei es um wichtige Ereignisse des Krieges, Schlachten, an denen die heimischen Regimenter ruhmreichen Anteil genommen, der Nachwelt zu überliefern“. Sie sollten jedoch nicht vor Beendigung des Krieges angebracht werden.
In Werne befanden sich jeweils in beiden Kirchen Epitaphe. In der 1896 eingeweihten evangelischen Kirche waren vor dem Chorbereich rechts und links im Kirchenschiff oberhalb der Fenster Gedenktafeln für die Gefallenen angebracht. In einer Festschrift der Kirchengemeinde aus dem Jahre 1921 sind die 348 „gefallenen Helden unserer Gemeinde“ namentlich in alphabetischer Reihenfolge sowie mit deren militärischen Dienstgraden, Berufen und Sterbedaten aufgelistet.
In der 1910 eingeweihten katholischen Kirche wurde 1920 eine Kriegergedächtnistafel aufgehängt. Es handelte sich um eine allegorische Jugendstil-Darstellung der Worte Jesu (Mt 11,28): „Kommet alle zu mir, die ihr mit Mühsal beladen seid, ich will euch erquicken“. Ob der Ort der Aufhängung nahe der Pieta und unter einem von fünf Fenstern, die die sieben Schmerzen Marias symbolisieren, bedacht gewählt worden war oder zufällig geschah, ist wohl nicht mehr auszumachen. Die Pieta zeigt Maria mit dem vom Kreuz abgenommenen Sohn im Schoß und ist ein Bild für die Klage um den Toten. Nach der teilweisen Zerstörung der Kirche im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau wurde an selber Stelle eine Gedächtnisinschrift für die gefallenen Soldaten beider Weltkriege angebracht, die bei der Renovierung im Jahre 1983 entfernt wurde. Der Text lautete: „Gedächtnis / zu Ehren unserer Kriegsopfer / 1914-1918 / 1939-1945 / Ruhet in Gottes heiligem Frieden“. Unweit der ehemaligen Gedächtnisstätte befindet sich auch heute noch „eine Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewalt und für unsere Verstorbenen“.
Eine eigene Gedenktafel ließ der Katholischen Männer-Gesangverein und Kirchenchor Cäcilia für seine sieben gefallenen Mitglieder durch den Künstler Dominikus in Paderborn fertigen. „Das von dem Motto ‚Das Herz der Kunst, dem Vaterland das Leben‘ umgebenen [sic!] Mittelstück des Bildes zeigt oben in den Wolken die hl. Cäcilia, die Orgel spielend. Ihre himmlischen Weisen rufen die sieben Sänger aus den Gräbern. Andächtig lauschend, erheben sie still bittend ihre Häupter zu ihrer Patronin. Cäcilia ruft ihre Getreuen in den Himmelschor, wo sie nun das ewige Alleluja mit anstimmen sollen. Darunter stehen die Namen der sieben Gefallenen und der Tag ihres Heldentodes. Umrahmt wird das Mittelstück von singenden Engeln. Die beiden letzten, die den stimmungsvollen Abschluß bilden, begleiten Gesang und Orgelspiel mit der Harfe. Das Ganze ruht auf einer breiten Basis, Liebe und Verehrung des Vereins versinnbildelnd [sic!]. Sie trägt die Inschrift: ‚Ihren lieben, treuen Vereinsmitgliedern in dankbarer Erinnerung gewidmet.‘ Der Kirchenchor Cäcilia, Werne, Kreis Bochum.“ Die Gedenktafel wurde am 11. Oktober 1921 in einer „schlichten, eindrucksvollen Feier, zu der die Angehörigen der Gefallenen geladen waren“ eingeweiht. Der Ort der Anbringung ist nicht mehr überliefert.
Doch nicht nur an kontemplativen Plätzen, sondern auch an profanen, eher der Vergnüglichkeit zuzuordnenden Örtlichkeiten waren ebenso Gedenktafel für die Gefallenen zu finden, wie das Beispiel einer Werner Gaststätte zeigt. Im Wirtshaus „Zur Deutschen Flotte“ – heute Werner Hellweg 502, dort befindet sich nun eine Filiale der Handelskette Aldi –, dem damaligen Vereinslokal des Sport- und Turnverein Werne 06 e.V., wurde am Buß- und Bettag 1926 im Rahmen einer theatralisch inszenierten „erhebenden Trauerfeier“ eine weiße Gedenktafel aus Marmor für die 52 gefallenen, ehemaligen Vereinsmitglieder enthüllt. Im Hinblick auf die verstorbenen Kameraden interpretierte der Vereinsvorsitzende in seiner Rede die neu angebrachte Tafel sinndeutend: „‚Ihr Geist lebt‘, so möchte ich die Tafel überschreiben. Sie ruft uns zu: ‚Ehrt uns dadurch, dass Ihr Euer ganzes Sein in den Dienst unseres schwer geprüften Vaterlandes stellt.‘ Dann kommt einmal der Tag, wo über jeder Sorgennacht des einzelnen wie über alle Wolken, die den Himmel unseres Volkes nach verdunkeln, unseres Herrgotts Sonne aufgeht, wo sie scheint über einem Deutschland hoch in Ehren.“ Der Verein hatte an diesem Tag zum dritten Mal zu einer „Gefallenen-Gedächtnisfeier“ eingeladen.

Das Denkmal für die März-Gefallenen

Nahe der Trauerhalle auf dem Werner Friedhof befindet sich in nördlicher Richtung das Denkmal für die Opfer des Kapp-Lüttwitz-Putsches im März 1920. In Werne waren dies Paul Garde, Emil Ritzauer und Gottlieb Tomaschewski. Ritzauer und Tomaschewski wurden am 19. April 1920 auf dem Marsch nach Dortmund „verhaftet, halbtot geschlagen und bei einem ‚Fluchtversucht‘ erschossen. Sie [wurden] am nächsten Tag ‚furchtbar verstümmelt‘ aufgefunden.“
Das Denkmal wurde in den zwanziger Jahren an dem Ort aufgestellt, wo es heute noch zu finden ist. Der rote, etwa 1,9 Meter hohe und 65 cm breite und ebenso tiefe Sandstein trägt die Inschrift: Das Leben nahmen sie uns / aber nicht den Geist. / Zum Gedenken an die Freiheitskämpfer 1920 / Sei ein Rebell – auf zur Tat.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde der Gedenkstein Anfang 1933 aus der Verankerung gerissen und sollte zerschlagen werden. Doch Friedhofsarbeiter versteckten den Stein im Keller der Friedhofskapelle, die damals in der Mitte des alten Friedhofteils stand.
Nachdem das Denkmal nach Kriegsende im Jahre 1946 wieder am ursprünglichen Platz aufgestellt worden war, wurde es durch zwei neue hochstehende, flache Steine mit den ungefähren Abmessungen 47 cm x 60 cm ergänzt und sollte forthin zusätzlich auch an die Opfer des spanischen Freiheitskampfes von 1936-1939 und des antifaschistischen Widerstands gegen die Nazidiktatur aus den Bochumer Stadtteilen Langendreer und Werne erinnern.
Seit 1947 führte jeweils am letzten März-Sonntag ein Demonstrationsmarsch vom Werner Marktplatz zum Märzgefallenendenkmal, um dieser Gefallenen zu gedenken. 1970 war die Teilnahme auf ein Minimum von vier Personen gesunken, lag zwei Jahre später jedoch wieder bei rund 150 Teilnehmern. Bis heute findet die von der Kreisvereinigung Bochum der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) organisierte Mahn- und Gedenkkundgebung mit Kranzniederlegung in gewohnter Form statt, an der in diesem Jahr rund 40 Teilnehmer anwesend waren.

Das Ehrenmal

Wie lange die Pläne zurückreichen, ein Kriegerehrenmal für die „im Weltkrieg 1914-1918 gefallenen Väter und Söhne des Ortsteils Werne“ zu errichten, lässt sich nicht exakt bestimmen. Belegt ist hingegen, dass sich die Idee dazu auf einem gemeinsamen Fest der örtlichen Kriegervereine am 6., 7. und 8. August 1927 konkretisierte. Das erwirtschaftete Geld war „für die Errichtung eines Kriegerehrenmals bestimmt“. Ende September 1927 luden die „vereinigten Militärvereine“ zur Gründung des Vereins „Kriegerehrenmal“ in das Werner Lokal Kraney ein. Spontan trugen sich 60 Mitglieder ein; dem Vereinsvorstand gehörten zehn Männer und zwei Frauen (!) an. Als finanzieller Grundstock wurde der Reinerlös des zuvor genannten Festes in Höhe von 1.800 Reichsmark eingebracht. Und es wurde betont, „daß gerade die militärischen Vereine sich mit lebhafter Bereitschaft für das hohe Ziel einsetzten“.
Die Aufgaben des Ehrenmalvereins bestanden in der Suche und Auswahl eines geeigneten Standorts, der Beschaffung der erforderlichen Mittel, der Realisierung und der Ausführung des geplanten Denkmals.
Eine kontinuierliche, erfolgreiche Arbeit des Vereins scheint nicht stattgefunden zu haben, was aus verschiedenen Äußerungen zu entnehmen ist. So erwähnt der Bochumer Anzeiger im Juni 1930 „eine Periode merkwürdiger Stille“ und rückblickend wird berichtet, dass der Verein „durch viele Tiefen“ geschritten ist und es manches Mal schien, „als ob der ganze Plan zum Scheitern verurteilt sei“. Immerhin zog sich der Zeitraum zwischen der Gründung des Vereins und der Fertigstellung des Ehrenmals ziemlich genau zehn Jahre hin.

Platzfrage

Wahrscheinlich wurde von Anfang an der Platz des heutigen Standorts favorisiert. Auf einem Teil des Geländes zwischen der Wittekindstraße (damals in diesem Bereich Mittelstraße), der Heinrich-Gustav-Straße (in diesem Bereich Roonstraße) und der Boltestraße (Heidestraße) befand sich vormals der Hof Börnecke zentral im ehemaligen Dorfbereich. Nach Aufgabe des Hofes ging das Grundstück in den Besitz der Harpener Bergbau AG über, die es später dem Ehrenmalverein kostenlos überließ. Der andere Geländeteil kam später durch ein Tauschverfahren in den Besitz der Stadt Bochum. Im Frühjahr 1929 wurde der Platz planiert und ein Jahr darauf in eine Grünfläche umgestaltet; eine Einfassung mittels einer Bruchsteinmauer sollte folgen. Das so gestaltete Terrain fand in „weiten Kreisen der Bürgerschaft“ allgemeine Anerkennung als zukünftiger Standort für das Ehrenmal.
Daneben bestanden Alternativvorschläge, die sich jedoch nicht durchsetzten: Zum einen die sich im Eigentum der Stadt befindliche gegenüberliegende Landecke, die lange Zeit brach lag und in eine Grünfläche umgewandelt wurde. Zum anderen im Einzugsbereich des alten Parks nahe der Straße Am Born (damals Hermannstraße) oder inmitten des neuen Parks an der Kreyenfeldstraße.

Finanzierung

Die Kosten zur Finanzierung des Denkmals sind zum Teil durch Spenden gedeckt worden. Der erste Beitrag in Höhe von 1.800 Mark wurde – wie bereits zuvor erwähnt – während der Gründungsversammlung des zuständigen Vereins eingebracht.
Zwei Tage vor der Eingemeindung des Einzelamtes Werne nach Bochum am 1. August 1929 tagte die Amts- und Gemeindevertretung Werne zum letzten Mal. In dieser Sitzung wurde dem „Verein Kriegerehrenmal“ aus der Gemeindekasse ein Betrag in Höhe von 3.000 Reichsmark für das zu schaffende Denkmal zur Verfügung gestellt und in diesem Zusammenhang die Hoffnung ausgesprochen, „dass die Rechtsnachfolgerin [Stadt Bochum] das Werk fördern möge“.
Im Frühjahr 1930 erwog man eine große Sammlung und erwähnte eine gesteigerte Vereinstätigkeit durch Auflegen von Bausteinen und Sammellisten; die Baukosten wurden zu diesem Zeitpunkt auf 15.000 bis 18.000 Mark geschätzt.
Wahrscheinlich haben sich mehr oder minder auch die örtlichen Vereine an diesem Projekt beteiligt. Denn Anfang Mai 1930 schlug der Verkehrsverein Bochum-Werne vor, in seiner kommenden Mitgliederversammlung einen Betrag von 50 bis 100 Mark in den Ehrenmalfonds einzubringen.

Bauplanung und Architekt

Bereits im Oktober 1932 hatte sich der Denkmalausschuss für einen Entwurf des „jungen Bochumer Künstlers Götz, Oskar-Hoffmann-Straße“ entschieden. Die im Bochumer Anzeiger abgedruckte Skizze wurde in einer Bildzeile wie folgt kommentiert: „Rechts, von einem aufwärts gereckten Schwert gekrönt, erhebt sich der Mahnstein, dessen Flachreliefs mit ihren Kreuzen an die Opfer des Krieges gemahnen sollen. Die eigentliche Denkmalwand weist auf die Kriegsjahre hin, links davon soll eine Tafel in Bronze die Namen der Gefallenen des Stadtteiles Werne, etwa 400, der Nachwelt überliefern. Vor der Denkmalwand ist eine Terrasse angelegt für feierliche Akte, zu der eine Freitreppe hinaufführt. Den Hintergrund bilden schlanke italienische Pappeln. Hübsche Schmuckanlagen sollen den Denkmalsplatz würdig umgeben.“ Auf der Denkmalwand war zu lesen: Dem Gedenken unserer Gefallenen.
Dieser Vorschlag scheint die Verantwortlichen letztlich nicht überzeugt zu haben, denn im Juli 1933 begann eine Ausschreibung, die einen Schwerpunkt auf den städtebaulichen Aspekt legte und bei der vier Architekten und zwei Bildhauer zur Abgabe von Entwürfen aufgefordert wurden. Eine vorgegebene Höchstsumme durfte dabei nicht überschritten werden. Aus zwölf eingereichten Plänen entschied sich die Jury aus Vertretern der Gaukulturamtes der NSDAP, der städtischen Baubeamten und des Ehrenmalvereins im Oktober 1933 für die Arbeit „Fünf Kreuze“ des Architekten Artur Tachil. Die „sechs preisgekrönten Entwürfe“ wurden für eine Woche im Jugendheim an der Lütge Heide (früher Friedhofschule) ausgestellt und darauf hingewiesen, dass bei ihnen „künstlerisch wertvolle Leistungen vorliegen“.
Der Wettbewerbssieger Tachil wurde am 27. März 1903 in (Bochum-)Langendreer als Sohn eines Bergmanns geboren, besuchte zwischen 1921 und 1923 die Staatliche Baugewerbeschule in (Wuppertal-) Barmen/Elberfeld und absolvierte 1924/25 eine Ausbildung zum Hochbautechniker in Strelitz (Mecklenburg). Zwischen 1931 und 1933 war Tachil in Castrop-Rauxel, danach in Hamburg tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er in Soest, wo er in die Wiederaufbauarbeiten der zum Teil zerstörten Petri-Kirche eingebunden war und zuletzt als Architekt an der Oberpostdirektion in Münster, wo er am 21. Mai 1981 starb. Neben anderen Objekten erstellte er u.a. Kriegerehrenmale in Dortmund-Bövinghausen und Düsseldorf.
Erste Arbeiten zum Bau des Werner Denkmals begannen im Frühjahr 1935, nachdem die Platzfrage endgültig geklärt war und die Mitglieder des Ehrenmalvereins im Oktober 1934 beschlossen hatten, den Verein „Kriegerehrenmal“ ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Die Erdbewegung von ca. 6.000 m³ wurde zum Teil in ehrenamtlicher Tätigkeit von freiwilligen Helfern geleistet. Zwischenzeitlich schienen die Bauarbeiten geruht zu haben, denn erst im August 1936 wurde berichtet: „Seit einiger Zeit sind die Arbeiten am Ehrenmal wieder aufgenommen.“ Darüber hinaus erfuhr der Leser, dass eine Einfassungsmauer gesetzt wurde, um das Abschwemmen der Böschung sowie der Anpflanzungen zu vermeiden und das Denkmal nahezu fertiggestellt war.

Das Ehrenmal

Das gesamte Gelände vor dem Ehrenmal wurde als Aufmarschplatz konzipiert, der vom Kreuzungswinkel Heinrich-Gustav-/Wittekindstraße über Treppenstufen zu erreichen und mit rotbrauner Asche belegt war. Die Tiefe von der Treppe bis zum Ehrenmal betrug rund 22 Metern, die Breite rund 25 m. Die zuvor erwähnte Mauer zog sich rechts vom Platz entlang der Wittekindstraße und war in der Mitte durch eine Treppe unterbrochen, die ebenfalls auf das Freigelände führte. Am nördlichen Ende des Platzes stand das altarähnliche, in Mauerwerksarchitektur ausgeführte Ehrenmal in einer Breite von 15,0 Meter und einer Höhe von 2,0 Meter, inklusiver einer vorgesetzten, 40 cm hohen Stufe. Die Wandstärke des Denkmals betrug 45 cm. Da das Niveau hinter dem Bauwerk um 1,3 Meter höher lag als der Aufmarschplatz, verbanden rechts und links beidseitig von flachen Pfeilern flankierte, 4,0 Meter breite Steintreppen mit jeweils sechs Stufen beide Ebenen. Mit einem Abstand von jeweils ca. 1,6 Metern waren mittig am Denkmal fünf kopfstehende, U-förmige Säulen mit einer Höhe von 2,5 Meter und einer Breite von 35 cm angeordnet, die das Bauwerk im rechten Winkel umschlossen; im Bereich oberhalb der Denkmalwand hatten sie eine Gesamttiefe von 1,3 m. Auf deren Forderseite war jeweils ein Kreuz aus „nie rostendem Metall“ mit den Abmessungen 2,4 x 0,3 x 0,04 Meter angebracht, was zur Namensgebung „Fünf Kreuze“ führte. Im oberen, seitlichen Bereich jeder Säule waren von links nach rechts fortlaufend je eine steinernen Jahreszahlen des Ersten Weltkriegs angebracht. Auf der linken Vorderseite wurden zwischen der Treppe und der linken Säule der Schriftzug in Großbuchstaben „Sie starben für Deutschland“ sowie zwischen der rechten Säule und der Treppe der Schriftzug „Treue sei unser Gelöbnis“ in Stein aufgesetzt. Jeweils darunter befand sich ein vorstehender, würfelförmiger Block mit 20 cm Kantenlänge, der zur Aufhängung eines Kranzes gedacht war. Am rechten Treppenaufgang stand die Widmung „Die Gemeinde Werne“. Die gesamte Denkmalanlage mit Muschelkalkplatten wurde von der im Ort ansässigen Baufirma Johannes Kaufmann ausgeführt. Rund um das Denkmal und den Platz wurde durch die Stadtverwaltung eine weite und freundliche Grünanlage angelegt. Nach Ansicht der Westfälischen Landeszeitung entstand eine Gedenkstätte für die Gefallenen, „die ihr Herzblut auf dem Altar des Vaterlandes vergossen und eine Stätte der Besinnung und Erholung für alle Lebenden“.

Der Geist der Baulichkeit

In der Zeit zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Beginn der NS-Herrschaft wurden in Deutschland mehr als 700 Ehrenmale für die Gefallenen des vorangegangenen Krieges errichtet. Dabei lässt sich nicht übersehen, dass sich mit zunehmendem Einfluss von nationalsozialistischer Gesinnung auch die Art der Architektur als Folge dieser Entwicklung andere Formen annahm.
Sie war nun nicht alleine auf den eigentlichen Sinne des Bauwerks ausgerichtet, sondern verfolgte einen allgemeinpolitischen Zweck: die Denkmäler sollten den Grundgedanken des Patriotismus des vorangegangenen Jahrhunderts manifestieren und die architektonische und künstlerische Gestaltung diente der Propaganda und Gleichschaltung. Gab es auch keine eigentliche, spezifische nationalsozialistische Architektur, so war sie doch „ein Element der vielseitigen und professionellen Selbstdarstellung und Stimmungsmache des Regimes; sie war Staats- und Stimmungsarchitektur“.
In gleichem Zeitraum wie das hiesige Denkmal entstanden die großen Nationalgedenkstätten für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Tannenberg (1924-1927, umgestaltet 1934/35) und das Marineehrenmal in Laboe (1927-1936), bei denen sich Charakteristika – dort im Großen – erkennen lassen, die sich mehr oder minder auch beim Werner Ehrenmal – hier im Kleinen – wiederfinden. In beiden auswärtigen Bauwerken spielt „die einfache, unverschnörkelte Architekturform [...] der nationalen Sammlungsstätte [...] und Stätte stiller ‚Besinnung‘ eine zentrale typologische Rolle“. Charakteristische Merkmale dieser Zeit sind eine „schwer gedrungene, archaisierende oder neoklassizistische Pfeiler- oder Mauerwerksarchitektur [… sowie] einfache Symbolik und Emblematik.[...] Standorte sind gepflasterte Plätze“. Man wollte ein Werk schaffen, „das als platzumspannende Baueinheit auf ausschließlich emotionale und sentimentale Weise soziale und nationale Einheit suggerieren soll“. Angestrebt war eine „Massenmobilisierung in einem Gesamtkunstwerk von Plastik, Architektur und Massenkommunikation“. Das Ziel lag in der „Monumentalisierung von Vergangenheit und Gegenwart, auf ein Verdrängen aller Individualität und aller Momente von Vergänglichkeit und historischer Veränderung. Alles war auf Ewigkeit und Endzeitstimmung angelegt. [...] Jeder Zweifel daran sollte durch Monumentalität des Denkmals erdrückt, der Erinnerungsdiskurs durch Monumentalpropaganda reglementiert werden“. Die Schlichtheit des Denkmals sollte die umgebende Fläche dominieren lassen. „Der Raum, der uns zur Volksgemeinschaft auffordert, gilt uns mehr als die Figur.“
Als Schmuckornament diente die Verwendung christlicher Zeichen, nunmehr in „einem nationalistisch-militaristischen und historischen Symbolismus“. Andere, andernorts häufig verwendete Ornamente wie Eichenlaub, Lorbeer, Fackeln, Adler etc. fehlten am Werner Bauwerk. Das urchristliche Symbol des Kreuzes erfuhr eine Umdeutung im Sinne von „Tat, Leiden für die Tat, Befestigung der Tat in einem dauernden Weiterwirken und Mahnung zu gleicher Tapferkeit an den Nachgeborenen“ und als Ausdruck der „neuen Einheit bzw. des Daseinswillens der Gemeinschaft“. Es wurde zu einem Symbol „für den Treueschwur, der an dieser Stätte immer wieder geleistet werden soll“ und „für die Überwindung des Todes durch das Selbstopfer“.
Darüber hinaus ist es aufschlussreich, den Kontext des Artikel „Das Ehrenmal ‚Fünf Kreuze‘“ in der Westfälischen Landeszeitung vom 17. Juli 1937 zu betrachten. Der vorgenannte Aufsatz ist zwischen den Artikeln „Kein Opfer ist größer!“ und „August-Erinnerungen eines Werners“ sowie dem Gedicht „Soldatenfriedhof“ eingebettet, die die Niederlage des Krieges von 1914/18 zu relativieren versuchen, nationalsozialistische Propaganda verbreiten und schon – zumindest jedoch aus der heutigen Rückschau – den Blick auf eine unheilvolle Entwicklung erahnen lassen.
So wie das Kreuz eine nationalsozialistische Interpretation erfuhr, waren auch andere Gesten, Symbole und Redewendungen aus den christlichen Kirchen entlehnt und für die angestrebte Propaganda umgenutzt, was sich auch in den Reden bei der Eröffnungsfeier zeigt.

Einweihungsfeier

Am Sonntag, dem 18. Juli 1937, wurde das Kriegerehrenmal für die 546 Gefallenen des Ersten Weltkriegs um 8.30 Uhr feierlich eingeweiht. Bei sonnigem Wetter waren die umliegenden Häuser mit Fahnen geschmückt und „Tausende“ nahmen an der Feier teil. Bereits eine halbe Stunde zuvor begann der Aufmarsch der beteiligten Vereine und Gruppierungen, die sich in einem offenen Viereck vor dem Denkmal und auf dem Plateau oberhalb des Denkmals aufstellten. Neben diversen nationalsozialistischen Verbänden und einer Abordnung von 40 Fahnen waren die Vertreter der Stadt Bochum sowie militärischer und ziviler Institutionen, die Kapelle der Schutzpolizei Bochum, das Rote Kreuz, die vereinigten Männergesangvereine des Ortes, die Schützenvereine, die Kriegerkameradschaften, die Kriegsopfer und Hinterbliebenen sowie die Pfarrer beider Konfessionen vertreten.
Die Begrüßungsansprache wurde vom Vorsitzenden des Kriegerehrenmalvereins, dem hiesigen Landwirt Dietrich Surmann, gehalten. Daran schloss sich die „Weiherede“ an, die Major von Grünewald als Vertreter des Oberleutnants Blümel vom Wehrbezirkskommando Bochum hielt. Er sprach von den vielen gefallenen deutschen Soldaten im letzten Krieg und erinnerte dann an den gewonnenen Krieg von 1870/71. Er forderte den Anspruch, durch das Denkmal die Gefallenen als Vorbild für die Nachkommenden zu ehren und Zeugnis „für die Opferbereitschaft des Stadtteils“ abzulegen.
Nach dem Lied vom guten Kameraden und Gewehrsalven übernahm der Ortsgruppenleiter der NSDAP, Müller, das Wort und verwies auf das Jahr 1914, „als das wehrhafte deutsche Volk wie ein Mann aufstand, um das Vaterland zu verteidigen. [...] Der Führer [hat] das Banner hochgehalten, das deutsche Volk geeint und damit den Gefallenen das schönste Denkmal gesetzt.“ Weiter mahnte er, „alles einzusetzen für das junge, erstarkende Deutschland“ und schloss mit der Paraphrase: „Unser das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“.
Nach Dankworten des Vorsitzenden Surmann übergab dieser das Denkmal in die Obhut der Stadt Bochum mit der Auflage, „Hüter und Pfleger dieser Gedenkstätte zu sein“. Stadtrat Loerbroks übernahm im Auftrag des Oberbürgermeisters die Verpflichtung, „das Ehrenmal in guter Pflege zu halten“.
Ein Musikbeitrag und Kranzniederlegungen beendeten die Einweihungsfeier. Anschließend nahmen die militärischen Vereine geschlossen an den Gottesdiensten in den beiden Kirchen teil.
Für den Folgetag war geplant, das Denkmal bei gutem Wetter zwischen 22 und 24 Uhr durch Scheinwerfer anzustrahlen.
Die Art der Zeremonie und der Duktus der Reden zeugen eindeutig von der Denkensweise der herrschenden Partei. Hier zeigt sich ein Wandel, welcher innerhalb von zehn Jahren zwischen Planungsbeginn und Realisation stattgefunden hatte: Sprach man anfänglich von einem Denkmal für die „im Weltkrieg 1914-1918 gefallenen Väter und Söhne des Ortsteils Werne“, so war nun von Opferbereitschaft und Einsatzwille die Rede, was die Inschrift des Denkmals „Sie starben für Deutschland – Treue sei unser Gelöbnis“ unterstrich. So, wie der Denkmal- bzw. Versammlungsplatz sich im Laufe der Jahre verbal in einen Aufmarschplatz gewandelt hatte, so wandelte sich die Intention vom Kriegermal als Gedenkstätte für die Gefallenen zu einem Platz politischer Agitation.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes verfügte der Alliierte Kontrollrat die Entfernung aller Baulichkeiten und Symbole, „die geeignet sind, die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu erhalten, den Militarismus wieder zu erwecken, an die Nazi-Partei zu erinnern oder kriegerische Ereignisse zu verherrlichen“. Kriegerdenkmäler, die „lediglich zum Andenken an verstorbene Angehörige regulärer militärischer Einheiten errichtet worden sind“, waren davon ausgenommen; eventuell NS-typische Symbole und Zeichen mussten jedoch entfernt werden. Da das Werner Denkmal in die letztgenannte Kategorie fiel, blieb es erhalten.
Weil das Kriegerehrenmal durch die häufigen Luftangriffe auf Bochum-Werne beschädigt worden war, kam es im Frühjahr 1955 zur Erneuerung durch die Stadt Bochum. Zur gleichen Zeit sprach der damalige Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde, Otto Fastabend, davon, „das Denkmal zum Mahnzeichen werden“ zu lassen. Bereits seit 1951 wurde auf Bundesebene angestrebt, die bestehenden Denkmäler in Mahnmale umzuwidmen, was jedoch damals – zumindest im Sprachgebrauch – nicht den erwarteten Erfolg zeigte. Das „Kriegsgräbergesetz“ vom 27. Mai 1952 schuf den juristischen Rahmen für eine Widmungserweiterung dieser Denkmäler hinsichtlich aller Kriegsopfer. Auf Antrag der Marinekameradschaft Bochum-Werne im Jahre 1966 wurde zum Gedächtnis an alle Opfer des Zweiten Weltkriegs das Ehrenmal im darauf folgenden Jahr um einen steinernen, 20 cm hohen Schriftzug erweitert, der jeweils mittig auf der Fläche zwischen dem zweiten und dem dritten Kreuz aus der Jahreszahl 1939 und zwischen dem dritten und dem vierten aus der Jahreszahl 1945 bestand.
Alljährlich wird seit 1954 am Volkstrauertag unter Leitung der hiesigen Kyffhäuser-Kameradschaft eine Gedenkstunde – anfänglich für die Gefallenen, dann für die Gefallenen und die Kriegstoten und seit einigen Jahren für alle Kriegs- und Gewaltopfer – am hiesigen Denkmal abgehalten, bei der jährlich im Wechsel eine Ansprache durch einen Geistlichen beider Konfessionen gehalten wird und neben dem Ausrichter auch andere Gruppierungen teilnehmen.
Im April 1976 veranlasste der vernachlässigte Zustand des Ehrenmals die Bezirksvertretung Bochum Ost, der Stadt zwei Lösungen vorzuschlagen, um den Misstand zu beseitigen: den Erhalt und eine Renovierung des Denkmals oder ein „platzsparendes Mal an einem geeigneten Standort“ neu zu errichten. Dieses Thema stand ebenfalls auf der Tagsordnung der Sitzung des Bezirksparlaments am 23. September desselben Jahres. Im folgenden Dezember lagen dann konkrete Pläne bei der Bezirksvertretung Ost, die vorsahen, „das alte nicht sonderlich attraktive Ehrenmal“ abzureißen und an selber Stelle ein neues zu bauen. Für dieses Vorhaben wurden DM 20.000 bereitgehalten, wovon für den Abbruch DM 8.000 zur Verfügung standen. Ideen für das neue Ehrenmal sollten durch einen Entwurfswettbewerb gesammelt werden, an dem Schüler des Lessing-Gymnasiums in Langendreer oder von anderen Bochumer Schulen unter Anleitung von Künstlern teilnehmen sollten. Ebenso war an einen weiteren Wettbewerb unter Künstlern gedacht. Entwurf und Ausschreibung
sollten bis zu den Sommerferien 1977 abgeschlossen sein. Zu einem Abriss kam es jedoch nicht.
Der zunehmend schlechte bauliche Zustand des Denkmals wurde durch die Kyffhäuser dann wieder seit Anfang der neunziger Jahre beklagt. Nachdem die örtliche Presse ab 1998 über den Verfall berichtete, wurde das Sanierungsvorhaben forciert und am 15. Dezember 1999 eine öffentliche Versammlung durch die Bezirksvertretung Bochum Ost hierzu abgehalten. Dort entschied man sich zum Erhalt des Denkmals am Standort unter Freilegung der Rückseite, Wegfall der seitlichen Treppen, Verkleinerung der baulichen Anlage und Neugestaltung der Grünanlage im unmittelbaren Bereich. Der Vorschlag wurde am 19. Januar 2000 im Bezirksparlament angenommen.
Die Bauarbeiten begannen am 26. März 2002 unter Mithilfe freiwilliger Helfer einiger örtlicher Vereine. Die Arbeiten verliefen zügig und termingerecht, so dass das umgestaltete Denkmal in einer kleinen Feier am 29. Oktober 2002 durch den Bezirksvorsteher Bochum Ost wieder der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Es entstand ein mit Muschelkalkplatten verkleidetes Mahnmal, bei dem der mittlere Bereich mit drei Pfeilern und Kreuzen in den alt bekannten Abmessungen erhalten blieb. Die nach außen abschließenden Mauerteile wurden jeweils auf ein Maß von 84 cm reduziert, so dass sich eine Gesamtlänge von rund 5,90 cm ergab. In gewohnter Weise wurde am Volkstrauertag dieses Jahres am 17. November die traditionelle Gedenkfeier – diesmal in ökumenischer Weise – abgehalten.
Zum endgültigen Abschluss der Umgestaltung werden noch zwei etwa 70 cm breite und 40 cm hohe Bronzetafeln mittig auf den Flächen beidseitig des mittleren Kreuzes angebracht. Die eine wird einen Spruch des Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker tragen: „Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird am Ende blind für die Gegenwart“. Die andere soll auf die Umwidmung des ehemaligen Kriegerehrenmals in ein Mahnmal für alle Opfer politischer Gewalt durch folgenden Aufruf verweisen: „Zum Gedenken an alle Opfer politischer Gewalt. Als Bekenntnis zu Frieden, Gerechtigkeit und Toleranz“. Ergänzend wird ein erläuternder Text zur historischen Entwicklung des Denkmals am Eingangsbereich angebracht.
Eine Abbildung des Mahnmals ist auf der Rückseite dieses Heftes zu sehen.

Gedenkstätten auf der Zeche Robert Müser

In einer Ausgabe der Werkszeitung „Harpen“ der Harpener Bergbau AG aus dem Jahre 1934 finden sich zwei Abbildungen mit Gedenkstätten auf der Zeche Robert Müser, einmal auf dem Zechenplatz im Eingangsbereich zur Schachtanlage Arnold nahe der Markenkontrolle an der Von-Waldthausen-Straße und zum anderen im Eingangsbereich zur Schachtanlage Amalia, heute am nördlichen Ende der Nörenbergstraße.
Das Ehrenmal bei Schacht Arnold bestand aus einer ca. 30 bis 40 cm erhöhten, im Durchmesser etwa 5 Meter breiten Rotunde aus Bruchstein, welche mit Ausnahme des Eingangsbereichs vollständig von einer flachen, etwa 60 cm breiten Mauer umschlossen war. Die vorgelagerte Stufe am etwa 3 Meter breiten Eingang war durch zwei kleine Mauerteile rechtwinklig zur umlaufenden Mauer eingefasst. Letztere umzog die Anlage und war gegenüber dem Eingang und jeweils im rechten Winkel dazu auf einer Länge von etwa eineinhalb Metern um einen halben Meter erhöht. Auf der Innenseite dieser drei 2 Meter breiten Mauerkronen waren längliche Texttafeln eingelassen.
Am Eingang zur Schachtanlage Amalia war auf der westlichen Seite eine Texttafel in eine Mauer eingebaut. Ein kleiner Bereich davor war begrünt.
Da im Artikel der Werkszeitung nicht näher auf diese Denkmäler eingegangen wird, die Texte der Tafeln auf den Fotos nicht lesbar sind und auch sonst keine Angaben zu den Gedenkstätten gefunden wurden, können an dieser Stelle keine weitere Aussagen hierzu gemacht werden. Die zuvor genannten Maße wurden aus der Abbildung geschätzt.

Friedhof

Auf dem Werner Friedhof befinden sich drei Grabfelder, auf denen Opfer beider Weltkriege begraben sind. In ihrer Art können die Grabfelder auch als Gedenkstätte angesehen werden.
In nordöstlicher Verlängerung von der Trauerhalle über das Märzgefallenen-Denkmal liegt ein Grabfeld für Gefallene des Ersten Weltkriegs. Zur Zeit stehen dort achtzehn 60 cm hohe und 40 cm breite Steinkreuze mit eingemeißelten Namen sowie Geburts- und Sterbedatum. Teilweise werden auf einzelnen Kreuzen zwei Tote genannt. Die vorgefundenen Sterbejahre beginnen mit 1914 und enden mit 1920. Hinter und im hinteren Bereich links neben den Kreuzen sind plan zur Geländefläche flache, beschriftete Grabsteine zu finden, die größtenteils mit Rasen überwachsen sind.
In nordöstlicher Richtung von der Trauerhalle wurde eine konzeptionell größere kreuzförmige Grabstätte angelegt, in der überwiegend Opfer des Bombenangriffs vom 15. Januar 1945 begraben wurden. Beidseitig des Weges, der sich von einem Findling aus in nördlicher Richtung erstreckt, befanden sich jeweils 52 flache, 80 cm x 40 cm große und ca. 15 cm hohe, leicht nach vorne abgesenkte Grabsteine, von denen noch auf der westlichen Seite 47 und auf der östlichen 50 vorhanden sind. Jede Platte trägt Namen und Geburts- und Sterbedatum; teilweise sind Doppelnennungen vor-handen, so dass demnach dort insgesamt 21 Personen mehr begraben liegen, als Grabsteine vorhanden sind.
Auf der Fläche im Kopfbereich der kreuzförmigen Anlage stehen in symmetrischer Anordnung in 12 Reihen jeweils drei steinerne Kreuze. Auf den 80 cm hohen und 40 cm breiten Kreuzen sind auf jeder Forderseite zwei Tote und das Sterbejahr 1945 vermerkt; auf einigen ist auf der Rückseite ein weiterer Toter genannt. Die Kreuzarme der Anlage sind als nach Norden hin geöffnete Bögen ausgeführt, und beidseitig mit Gräbern belegt. Oberhalb des westlichen Bogens befinden sich sechzehn Grabstellen für Kriegstote vom 15. Januar 1945 und unterhalb des Bogens zwölf aus den Jahren 1943/44. Oberhalb des östlichen Bogens befinden sich neunzehn und unterhalb siebzehn Gräber für die Januar-Opfer. Auch hier sind Doppel- bis Dreifachbelegungen ausgewiesen.
Weiter nordwestlich von dieser Stätte, nahe des Friedhofsausgangs zur Straße Bramheide, ist ein drittes Grabfeld für Kriegsopfer zwischen 1940 und 1945 erhalten. Diese ruhen links und rechts des länglichen Feldes. An der linken befinden sich dreißig Grabsteine und an der rechten einmal vier und einmal acht, durch eine große Lücke unterbrochen.
Darüber hinaus befindet sich im Eingangsbereich des Friedhofs an der Straße Auf der Bredde gegenüber der Trauerhalle ein Kreuz aus Spurlatten, welches am 30. Oktober 1987 im Rahmen einer ökumenischen Andacht eingeweiht wurde an die Verstorbenen erinnern soll, deren Gräber eingeebnet wurden.

Anker

Im Amtshauspark zwischen dem Amtsgebäude und dem Marktplatz wurde in den letzten siebziger Jahren durch die Marinekameradschaft Bochum-Werne 1900 ein Anker aus Norddeutschland niedergelegt, der die Seeverbundenheit dieses Vereins ausdrücken soll. Eine Erinnerung bzw. ein Gedenken an gefallene und verstorbene Mitglieder oder an ehemalige Ziele des Vereins werden damit nicht bezweckt. Zwar der Art einem Denkmal ähnlich, vermittelt es jedoch keinen memorativen Inhalt. Daher ist es nicht als solches zu werten, sondern eher als dekorative Zierde anzusehen.

Bergbau-Erinnerungsmal

Auf einer kleinen Rasenfläche vor dem Erich-Brühmann-Haus der evangelischen Kirche steht gegenüber dem Amtsgebäude das Bergbau-Erinnerungsdenkmal des Werner Künstlers Paul Epp. Die Form des 2,4 Meter hohen Denkmals ähnelt einem Fördergerüst. Dabei sind Stützen und Seilscheibe aus Beton gegossen und von zwei rechteckigen und zwei annähernd quadratischen Bronzeplatten eingefasst. Die Motive zeigen „bergmännische Tätigkeiten im Grubenbetrieb, wie sie auf den Langendreer- und Werner Zechen während ihres über 100jährigen Bestehens in überwiegender Weise üblich waren“. Das sind im Uhrzeigersinn: Streckenauffahrung (südliches Relief, zur evangelischen Kirche gerichtet), Kohlengewinnung mit dem Abbauhammer (westliches Relief), Kohlenladestelle (nördliches Relief) sowie Hauptstreckenförderung und Füllortbetrieb (östliches Relief).
Die Idee zur Schaffung dieses Denkmals an der Kreyenfeldstraße stammte vom Förderverein Bergbauhistorischer Stätten und realisierte sich überwiegend aus Spenden. Das 350 Kilogramm schwere Denkmal wurde am 7. Juni 1989 aufgestellt und enthüllt.

Erinnerungstafeln und Förderwagen

Zur Erinnerung an den hiesigen Bergbau, der vermutlich um 1755 im damals üblichen kleinen Umfang auf der Stollenzeche Vollmond begann und mit der Schließung der Großschachtanlage Robert Müser am 31. März 1968 endete, stellte der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. – Arbeitskreis Bochum – an drei Standorten Erinnerungstafeln mit jeweils einem Bild- und Textteil auf. Die Tafel am ehemaligen Eingangsbereich (Markenkontrolle) zur Zeche Vollmond im Bereich Vollmondstraße 47 und die beim ehemaliger Haupteingang zur Zeche Robert Müser, Schacht Arnold, gegenüber dem Haus Von-Waldthausen-Straße 72/74 wurden im Jahre 1967 errichtet. Die Tafel im oberen Bereich der Straße Brandwacht in Höhe der Feuerwehrwache am Werner Hellweg 412 stammt aus dem Jahre 1996.
Darüber hinaus sind auf öffentlichen bzw. halböffentlichen Flächen weitere Exponate zur Erinnerung an den Bergbau zu finden. Hierbei handelt es sich im um eine Seilscheibe und einen Förderwagen ohne Beschriftung neben der Erinnerungstafel an der Feuerwache III und um weitere Förderwagen, die ein ungefähres Fassungsvermögen von 1,2 Kubikmetern besitzen. Die Seilscheibe mit einem Durchmesser von 2,80 m lagerte einige Jahre auf dem ehemaligen Gelände der ehemaligen Zeche Hannover, bevor sie im April 1996 an ihrem jetzigen Platz aufgestellt wurde. Der frühere Einsatzort der Seilscheibe ist nicht mehr bekannt.
Ein Förderwagen befindet sich im Eingangsbereich des alten Parks an der Straße zur Werner Heide in Höhe der Boltestraße. Er wurde 1994 vom Knappenverein „Glück Auf“ Bochum-Werne aus Anlass des 110jährigen Bestehens aufgestellt und trägt eine Tafel mit einer kleinen Darstellung der Heiligen Barbara, und der Beschriftung „110 / Jahre / Knappen-Verein / Werne / 1884-1994“.
Ein anderer Förderwagen steht seit Anfang Mai 1996 inmitten des Kleingartenvereins Familienwohl bei der Vereinsgaststätte. Er trägt die Aufschrift: „70 Jahre / Kleingartenverein / KGV Familienwohl / Bochum-Werne / 1926-1996“.
Ein dritter Förderwagen befindet sich an der nordöstlichen Ecke des Kleingartenvereins Sonnenhang und trägt die Aufschrift „Glück Auf / KGV Sonnenhang / gegr. 1983“; er wurde zum fünfzehnjährigen Jubiläum Anfang September 1998 aufgestellt.

Ausblick

Wie eingangs bereits festgestellt, gewinnt ein Denkmal wieder an Bedeutung, wenn es umstritten und gefährdet ist oder zerstört wird. Dies schlug sich im Vorfeld der soeben abgeschlossenen Umgestaltung des Mahnmals und bei den bisherigen Bemühungen zur Aufstellung des Germania-Kopfes in der Information durch die örtliche Presse nieder. Dazu lagen nur wenige greifbare, konkrete Reaktionen bzw. Meinungsäußerungen aus der Bevölkerung vor, doch zeugen die Diskussionen im Vorfeld der politischen Beschlüsse von einer kontroversen Denkensweise und dem Pro und Contra in der Sache.
Hinsichtlich des Ehren-/Mahnmals fanden sich sowohl Befürworter für den gänzlichen Erhalt als auch für einen Abbruch der Baulichkeit. Umso erfreulicher ist das erzielte Resultat, das Denkmal durch die bauliche Umgestaltung und einhergehende Umbenennung in ein Mahnmal den „veränderten Zeitverhältnissen anzupassen“ und es hierdurch „als Ausdruck der Anerkennung auch von Schattenseiten deutscher Vergangenheit“ zu bewahren. Positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung nach Fertigstellung der Arbeiten bestätigen eine Akzeptanz und die Richtigkeit der getroffenen Entscheidung. Von einer solchen ist man hinsichtlich des Germania-Kopfes noch entfernt. Auch dieser, als Phönix aus der Asche wieder aufgetauchte Torso, ist aufgrund seines eigenen, individuellen Werdegangs durch die etwa 125 zurückliegenden Jahre als ein authentisches Zeugnis der Geschichte zu klassifizieren und stellt selbst als Fragment so ein neu entstandenes Denkmal dar. In dieser Eigenschaft kann er in gleicher Weise zur Mahnung dienen als auch zur sinnvollen Auseinandersetzung mit der damaligen Geschichte anregen. Um so mehr bleibt zu hoffen, dass der Kopf eine angemessene Bleibe im Ortsteil findet und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wird, denn historische Denkmäler „können ihren Dienst in der Gegenwart nur dann leisten, wenn sie wahrhaftig von der Vergangenheit künden“.

Einen herzlichen Dank an alle Damen und Herren, die mir bei der Vorbereitung dieses Aufsatzes behilflich waren.

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